Marokko: Essaouira – Weißblaue Perle an der Atlantikküste

Essaouira – oder Es-sweera wie es klingt, wenn es der Marokkaner sagt, war mir vor meinem Besuch des nordafrikanischen Königreichs Marokko nie zuvor zu Ohren gekommen. Marrakesch, Casablanca, Fez, Agadir und Rabat ganz klar, aber von dem rund 85.000 Einwohner zählenden Städtchen, das etwa 200 Kilometer nördlich von Agadir liegt, hatte ich noch nichts gehört.

Geplant hatte ich zwei Tage zu bleiben: eine Woche ist es geworden. Eine Woche, in der ich vollkommen entspannen konnte – und einfach mal nichts getan habe. Absolut nichts. Ich habe mich dem hingegeben, wofür Essaouira nun für mich steht: dem Charme, der Gelassenheit und dem gemütlichen „zur Ruhe kommen“. Das alles kann man in der marokkanischen Hafenstadt nämlich ganz wunderbar: Hier scheinen die Uhren langsamer zu ticken und auch die Bewohner tiefen entspannt zu sein …

Antje Waldschmidt

Follow me through the narrow streets of beautiful Essaouira … ©Imtiaz Willems

Rooftop

Essaouira, formerly known as Mogador, is a city in western Morocco on the Atlantic coast.

Orientalisch-europäisches Flair

Essaouira liegt an der Kreuzung zweier „Stämme“: dem arabischsprachigen Chiadma im Norden und den Haha-Berbern im Süden. Hinzu kommen die Gnawa, und die Europäer – sie alle machen den reichen kulturellen Mix Essaouiras aus. Einst war Essaouira der größte Seehafen Marokkos und ein überaus wichtiger Handelsplatz. Während des 7. bis 10. Jahrhunderts regierten Berberstämme in der Region um Essaouira; Im 11. Jahrhundert kamen die Almoraviden an die Macht; Die Portugiesen eroberten im 15. und 16. Jahrhundert mehrere Küstenstädte am Atlantik – und begannen 1506 mit dem Bau von Hafenbefestigungen. Sie gaben mit großer Wahrscheinlickeit auch der Festung an der Stelle des heutigen Essaouira den Namen Mogador. Heute wird nur noch die vorgelagerte Insel so bezeichnet. Die Insel Mogador darf jedoch nicht betreten werden, da sie ein Vogelschutzgebiet ist.

Medina

The modern name means „the little rampart“, a reference to the fortress walls that still enclose part of the city. Essaouira lies on the crossroads between two tribes: the Arab Chiadma to the north and the Haha Berbers in the south.

Harbour

Add to the two tribes the Gnawa, who came originally from further south in Africa, and the Europeans, and you get Essaouiras rich cultural mix.

Im 20. Jahrhundert verlor Essaouira, die wichtige Handels- und Hafenstadt, zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Doch die kulturelle Bedeutung ist bis heute geblieben. In den 60er Jahren kamen die Hippies in die malerische Küstenstadt, es folgten Aussteiger und Künstler, ebenso wie begeisterte Touristen, die sich von der Atlantik-Stadt mit den engen Gassen, der lebendigen Medina, dem Hafen und den schönen weiten Stränden verzaubern lassen wollen. Diesem Ruf bin auch ich gefolgt. In Essaouira habe ich es genossen, das marokkanische Leben zu beobachten, zu schreiben, zu plaudern, mich treiben zu lassen, endlose Strandspaziergänge zu unternehmen, durch die Medina mit ihren zahlreichen Kunstgalerien, Boutiquen und Marktständen zu wandeln, frischen Fisch zu essen und viel Minztee zu trinken.

Antje Waldschmidt

The beautiful coastal town is an exceptional example of a late-18th-century fortified town … ©Imtiaz Willems

Essaouira square

The bustling medina is much easier to navigate than Marrakesh. A series of linked streets forms a central spine leading directly from the northern gate to the main square of Place Moulay Hassan, by the waterfront.

Carpet cats

Essaouira is a painter’s dream location, with a vibrant blue-and-white “medina” (inner walled old city), enclosed by fairy-tale, sand-coloured ramparts and imposing stone gates.

Charmante, blau-weiße Medina

Das absolute Highlight der Küstenstadt ist ihre charmante, blau-weiße Medina, die durch die Stadtmauern aus dem 18. Jahrhundert geschützt ist. Seit dem Jahr 2001 zählt die gesamte Altstadt mit ihren Stadttoren zum Weltkulturerbe der UNESCO. Fast jeden Tag bin ich durch die nach Gewürzen duftende Medina mit ihren Gassen und von Palmen gesäumten Alleen gewandelt, habe die wunderschönen Türen fotografiert, den Menschen auf dem Markt beim Handeln zugeschaut und mich wieder und wieder in den schmalen Gassen verlaufen. Zu meinem kleinen Ritual ist es geworden, auf der versteckten Dachterrasse des El Fath Cafés Minztee zu trinken, über die weiß-blauen Dächer der Altstadt zu schauen, dem Ruf des Muezzin und den Schreien der Möwen zu lauschen, das Treiben auf dem Hafen zu beobachten, aufs Meer zu starren und dabei zu zusehen, wie die Sonne im Blau verschwindet. Sobald die Sonne dann über dem Atlantik untergegangen ist und Essaouira in ein warmes Licht getaucht hat, füllten sich die Straßen und Plätze der Stadt mit Menschen aus Essaouira, Marokko und der Welt. Ein entspanntes, gemütliches Miteinander, das ich allabendlich genossen habe.

Antje Waldschmidt

Bright and breezy Essaouira is an enchanting, laid-back alternative to the frenetic melting-pot of Marrakesh (-;

sunset

The coastal town ist also known as the „Wind City of Africa“…

sunset Essaouira

… a combination of spectacular beaches, great sea and the almost constant tropical trade winds has changed this windy city from a hardworking port into one of the world’s greatest sites for windsurfing and kiteboarding between April and November.

Es ist überhaupt alles sehr entspannt und überschaubar in Essaouira. Die Medina ist bei weitem nicht so groß wie die in Marrakesch, verlaufen kann man sich dennoch recht gut. Oder auch treiben und inspirieren lassen, was besser klingt als „verlaufen“ (-; Die Einheimischen sind an Touristen gewöhnt, und helfen gern weiter, wenn man im Medina-Labyrinth in einer Sackgasse gelandet ist. Nach meiner Erfahrung begegnen sie Besuchern tolerant, gastfreundlich und interessiert. Ich fühlte mich stets willkommen, habe es dennoch genossen, dass die Stadt nicht mit Touristen überfüllt ist. Überfüllt ist Essaouira einzig mit einem – mit Katzen! Essaouira ist die Stadt der schnurrenden Vierbeiner. In der Medina und am Hafen sind die Tierchen allgegenwärtig.

Cat-saouira

But the majority of visitors come to Essaouira in spring and autumn to wander through the spice-scented lanes and palm-lined avenues of the medina…

harbour Essaouira

… browse the many art galleries and boutiques, watch traditional boats being constructed in the hugely atmospheric port…

Cat Essaouira harbour

… and be amazed at how many cats roam the streets of this coastal town.

Stadt des Windes

Übrigens: Bekannt ist die wunderschöne Küstenstadt auch als „Stadt des Windes“, den es hier im Überfluss gibt. Das ist wohl auch der Grund, der es Essaouira ermöglicht hat, ihre traditionelle Kultur und ihren Charakter beizubehalten. Denn der Wind weht fast das ganze Jahr über so stark, dass es unmöglich ist, am Strand entspannt sonnenzubaden. Das bedeutet, dass Essaouira von den unzähligen Strand- und Badenixen umgangen wird und vor allem Kiter und Windsurfer anzieht. Wer die Stadt dahingegen ohne frische Brise genießen möchte, der sollte sich am besten im November oder Dezember aufmachen, so wie ich es getan habe.

Antje Waldschmidt

The beaches are beautiful. Golden sands lay under light blue skies and beside blue Atlantic waters… ©Imtiaz Willems

harbour

Probably the citys biggest tourist attraction is its port. Everyday small and medium scale fishermen bring in their catch around 10am.

harbour vibes

You can visit the port at anytime of day and find & eat what’s fresh on display.

Einziges offensichtliches Manko Essaouiras, das Erwähnung finden sollte, ist die Verschmutzung und Plastikflut an den Stränden (übertragbar auf den Rest des Landes). So scheint Marokko zwar einerseits eine grüne Pionier-Nation zu sein, in der bis 2020 fast die Hälfte der Energie des Staates durch erneuerbare Energien (Windparks und Solarkraftwerke) bereitgestellt werden soll, und Plastiktüten bereits 2016 verboten wurden, andererseits sind die Strände stark durch Plastikmüll verdreckt.

Hangovered Camel

Whether you want to take a horseback or a camel ride on the beach or a longer adventure to neighboring villages there are a lot of options that begin in Essaouira …

harbour

Essaouiras medina is a UNESCO world heritage site.

Und dennoch: Sollte ich eines Tages planen einen Roman in der Ferne zu schreiben oder Inspiration suchen, dann würde ich mit Gewissheit nach Essaouira zurück kehren. Für mich ist diese Stadt definitiv eine der schönsten Küstenstädte Marokkos.

Essaouira

Though just two or three hours from Marrakech, Essaouira feels like worlds apart. It simply doesn’t have the same visitor numbers or chaotic streets, but has its own charm.

doggos

People (and some animals) seem to be content, they’re not hustling. Maybe its the seaside vibes, or its cultural mix ….

Meine Tipps

Schlafen: Das Chill Art ist eines der gemütlichsten, gelassensten und freundlichsten Hostels, das ich je kennenlernen durfte. Gemeinschaft und Gastfreundschaft werden hier groß geschrieben, sei es beim gemeinsamen Musizieren, Plaudern oder Entspannen. Das Frühstück wird stets liebevoll und lecker zubereitet und die Künstler-Atmosphäre ist angenehm. Eingerichtet ist das Chill Art stilvoll und farbenfroh. Der Sonnenuntergang auf der Dachterrasse ist unschlagbar. Einzige Herausforderung: Das Hostel ist schwer zu finden. Doch: Wer die kleine, dunkle Gasse betreten und sich hindurch gewagt hat, wird mit einem liebevollen „Zuhause“ beglückt.

Chill Art Hostel

Cozy and friendly hostel: The Chill Art.

Essen: Chez Omar ist ein kleines marokkanisches Restaurant, das noch als Geheimtipp gilt und gern von Einheimischen besucht wird. Hier gibt’s gute und günstige, traditionelle Gerichte. Es empfiehlt sich ganz nach oben, auf die schlichte, doch nicht minder gemütliche Dachterrasse zu gehen. Meine persönliche kulinarische Empfehlung: das Berberomelett als Vorspeise, als Hauptgericht die vegetarische oder Fisch-Tagine und natürlich Minztee (tief verwurzelt in der marokkanischen Kultur und Gastfreundlichkeit).

Moroccan dinner

Restaurant Chez Omar: Traditional Moroccan cuisine.

Café-Ausblick: Ganz klar, das Hotel El Fath in der Skala Straße. Das Hotel hat eine kleine, versteckte Dachterrasse auf der Minztee, leckere Säfte und Smoothies serviert werden. Voll ist es hier selten und die Dachterrasse wird vor allem von Einheimischen frequentiert. Die Ruhe, der Ausblick und entspannte Atmosphäre, machen das kleine Dachcafé zu einem Geheimtipp. Und: Sitzen kann man hier (noch) so lange wie man will, ohne dass man genötigt wird die gesamte Karte zu bestellen (-;

Coffee shop view

Enjoy the view: Hôtel El Fath roof terrace!

Anreise: Der Flughafen Mogador-Essaouira liegt rund 16 km vom Zentrum der Stadt entfernt. Es verkehren regelmäßig Linienbusse nach und von Marrakesch und Agadir.

Diabat

Essaouira is definitely one of Morocco’s most laid-back & charming coastal destinations!

Hinweis: Die Marokko Reise habe ich komplett selbst bezahlt, die Recherche eigenständig organisiert und alle Empfehlungen sind privater Natur.

WENN DIR DIESER ARTIKEL GEFALLEN HAT UND DU GERNE ÜBER NEUIGKEITEN INFORMIERT WERDEN MÖCHTEST, DANN ABONNIERE DIESEN BLOG GERN HIER PER MAIL, FACEBOOK, TWITTER ODER INSTAGRAM. GARANTIERT KEIN SPAMMING : )

 

7 Gedanken zu “Marokko: Essaouira – Weißblaue Perle an der Atlantikküste

  1. Wie wunderbar! Ich war auch vor einiger Zeit dort (habe auch einen kleinen Beitrag hierzu auf meiner Seite) und habe mich total in Essaouira verliebt – einfach so ein toller Ort 🙂 Dein Beitrag mit den tollen Bildern fängt die Stimmung der Stadt super ein und macht mir direkt wieder Lust hinzureisen!
    Liebe Grüße Wanda

    Gefällt 1 Person

  2. Hm, das macht ja neugierig, vielen Dank für den schönen Beitrag! Ist November/Dezember klimatisch eine gute Reisezeit für Marokko, oder ist es schon recht kühl (die Leute auf dem Platz sehen ja alle eher langärmlig aus :))? Irgendwann will ich mal nach Marrakesch (und Essaouira scheint nicht zu weit weg zu sein, lässt sich ja vielleicht verbinden).

    Gefällt 1 Person

    1. Danke schön!! Ja, Essaouira und Marrakesch lassen sich super verbinden. Hab´s genauso gemacht, 2,5-3 Stunden gemütliche Busfahrt. Und November/Dezember habe ich als angenehm empfunden. Ich hatte ein wenig Pech mit Regenfällen, ansonsten ist es aber ähnlich dem deutschen – gaaaanz ganz milden, sonnigem – Herbst. Vorteil in Essaouira zu dieser Jahreszeit ist, dass der Wind nicht fegt, daher für mich die perfekte Reisezeit. Kann´s nur empfehlen (-;
      Viele Grüße, Antje

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s